Osterfrühstück mit Fisch aus der Fischergasse

Heute Morgen war ich eingeladen zum Hauseingang einer Familie in der Fischergasse zu gehen, um dort ein liebevoll vorbereitetes Osternest abzuholen. Neben einer Vielzahl von Schokoladeneiern enthielt das Nest auch eine Vakuumpackung mit mariniertem Lachsforellengulasch vom örtlichen Fischer, ein Schächtelchen Fischsalat und auch ein traditionelles Osterlamm aus Kuchenteig mit einer Osterfahne, die den Triumph über den Tod symbolisiert.

Gestern hatte bereits ein Paar aus Dachau Gemüse und Lebensmittel vorbeigebracht und diese vor der Klostertüre abgestellt. So konnte ich das Lachsforellengulasch, das ich etwa fünf Minuten lang in der Pfanne gebraten hatte, heute auf ein Nest aus Gurkenscheiben und Radieschen betten. Kaffee und Milch waren vor einigen Tagen aus München gebracht worden. Das lange haltbare Brot stammt noch aus einem Spendenpaket aus Fürstenfeldbruck.

Der Vorgang, dass ein Mönch vom Domberg herabsteigt und an dessen Fuß in der Fischergasse Fisch und weitere Verkostung holt, ist für Freising ein uraltes „Motiv“. Die Fischergasse diente mitunter als Versorgungsquelle für die geistlichen Bewohner des Dombergs – heute sogar für einen buddhistischen Mönch, der eben am christlichen Fest der Wiederauferstehung Christi seine Mitbuddhisten dazu aufrufen will, sich ihres Glaubens an die Wiedergeburt zu besinnen.

Die Wiederformierung von Leben im Kontinuieren eines Daseinsstroms ist für uns Teil des natürlichen Kreislaufes von Werden und Vergehen. Wiedergeburt ist dabei nicht nur durch einen Mutterleib möglich, was eine dementsprechend lange Zeit benötigt. Bei der Wiedergeburt als geistiges Wesen, sei es als Gottheit (deva / devatā) oder als Göttersohn (devaputta) geschieht dies durch den Modus des „Erscheinens“, also einer feinstofflichen Formierung ohne Mutterleib.

Dieses Wiedererscheinen kann unmittelbar nach dem Tod geschehen und gleicht insofern der Wiederauferstehung des gestorbenen Jesus als über den Tod triumphierender österlicher Christus. Ein Beispiel dafür haben wir im Bericht vom Wiedererscheinen des Anathapindikas in der Gruppierten Sammlung (S.2.20. Anāthapindika Sutta).

Dort erscheint der große Unterstützer des Buddhas, der für ihn das Jeta-Hain-Kloster bauen ließ, als Devaputta, der den ganzen Hain mit seinem (Heiligen-) Schein erhellt, sich beim Buddha mit einigen Worten verabschiedet und dann in die himmlische Welt eingeht. Die Nähe der Begriffe Göttersohn/Gottessohn und Sohn Gottes ist dabei religionswissenschaftlich kein Zufall, sondern zeigt ein Konzept auf, das in vielen Religionen vorkommt, sei es bei den Ugaritern im Zweistromland, den Phöniziern, davon inspiriert im Alten Testament der Juden, parallel bei den Griechen und Römern im herrschaftlichen Kontext und bei den Aktivitäten des Pantheons, aber auch im Osten in den kosmobiologischen Vorstellungen der Inder und im Westen bei den Ägyptern im Konzept der Stellung des Pharaos. Allen unterschiedlichen Vorstellungen ist eine Verbindung zur höheren Welt gemein, eine besondere Ausrichtung auf das Höchste, Ewige und Wahre.

In diesem Sinne können wir uns als Buddhisten auch die Wiederauferstehung Christi als göttliche Wiedergeburt vorstellen, sie so nach unserem Glaubensverständnis einordnen und die Osterfeiertage auch als Tage des spirituellen Gewinns für uns wahrnehmen. Denn der als göttersohnhafte Engel auferstandene (abhinibbatta) Anathapindika erinnert in seinen Abschiedsworten die Menschen daran, dass eines gilt: „Rechtes Verhalten, Wissen und Wahrheit, Charakterschulung und beste Lebensführung – dadurch werden die Menschen rein, nicht durch Abkunft oder Reichtum!“

Ostern 2020

Bhikkhu Thitadhammo

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