Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2562 n. Bdh. / 2019 n. Chr.

Dieses Jahr verbringe ich die Feiertage in Wien. Buddhistische Freunde haben mich eingeladen, hier im Herzen Österreichs das Jahr ausklingen zu lassen. Gestern durfte ich der Christmette in der Augustinerkirche, der ehemaligen Pfarrkirche der habsburgischen Kaiser, in der Wiener Hofburg beiwohnen. Als interreligiöser Gast wurde mir sehr viel, ja überschwängliche Freundlichkeit entgegengebracht und sogar ein Platz im Chorgestühl zugewiesen. Das war für mich als Buddhisten schon eine sehr große Ehre und auch exzellente Freude. Diese Freude wurde noch durch einen wunderschönen Ausklang des Abends bei Punsch und Weihnachtsgebäck in einer Seitenkapelle abgerundet.

Bei der Begegnung mit den ehrwürdigen Augustinermönchen, den Lektorinnen sowie anderen Teilnehmern kam es zu angeregten Gesprächen über Buddhismus und Christentum. Die Zeit verging dabei wie im Nu. Beim Verlassen der Kirche schoss ich noch das obige Foto von der Weihnachtskrippe vor dem prächtigen Hauptaltar.

Während der feierlichen Christmette hat mich neben dem meditativen „Stille Nacht, Heilige Nacht“ besonders eine Strophe der gesungenen Lieder angesprochen: „Menschen ohne Haus und Habe / Atmen plötzlich wieder auf / Denn ein Kind ist und geboren / Welten ändern ihren Lauf.“

Ja, die Bedrängnis durch finanzielle Sorgen, existentielle Nöte und Sinn- und Orientierungslosigkeit, an der viele Menschen in unserer Gesellschaft förmlich zu ersticken drohen, ist allgegenwärtig. Politik, Wirtschaft, Medien und fanatische Weltanschauungen tun leider das ihrige dazu, den Leidensdruck der Menschen beständig zu erhöhen und können uns nicht das vermitteln, was ein Aufatmen ermöglichen würde: die vollkommen selbstlose, aus uneingeschränktem Wohlwollen geborene und einzig an unserem Wohlergehen interessierte Eröffnung nachhaltig heilbringender Perspektiven für unser Sein und Werden.

Die Geburt des Christkindes erinnert mich an das Auftreten von ganz besonderen Wesen die Geschichte hindurch, welche die Menschen auf ihre jeweils spezifische Weise angesprochen und inspiriert haben, sich zum Guten und Wahren hin auszurichten, sich zu erneuern und so Festgefahrenheit wie Ausweglosigkeit zu überwinden. Auch im übertragenen Sinn als der Geburt des Göttlichen in unseren Herzen oder aber auch der Begegnungskonstellationen mit dem Guten in unserem Leben, kann ich viel abgewinnen. Ich denke da an den Ausspruch des oft sehr buddhistisch anmutend dichtenden deutschen Arzt und Theologen Angelus Silesius (1624 -1677): „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir – du gingest ewiglich verloren!“

Unsere christlichen Mitbürger feiern in diesen Tagen das Weihnachtsfest, aber auch viele buddhistisch ausgerichtete Menschen tun dies zusammen mit ihren Familien, deren Mitglieder hierzulande zumeist Christen sind. Nicht wenige christlich geprägte Menschen sympathisieren mit dem Buddhismus. Auch sind viele zum Buddhismus übergetretene Menschen mit dem Christentum aufgewachsen und fühlen sich mit Weihnachten schon rein von ihrer Biographie her verbunden.

Vor kurzem meinte jedoch jemand zu mir, ich solle als buddhistischer Mönch lieber keine „frohe Weihnachten“ wünschen. Es würde ihm genauso viel bedeuten wie „froher Ramadan“ – also gar nichts. Nun, ich selbst sehe keinen Grund, warum ich als in Deutschland sozialisierter Mensch nicht das Brauchtum, mit dem ich aufgewachsen bin, auch als Buddhist achten und im positiven, vielleicht auch im allegorischen Sinne würdigen sollte. Es ist an sich urbuddhistische Auffassung, alles mit dem Heilsamen in Einklang Stehende, gleich welcher Herkunft es auch sein mag, als solches anzuerkennen und zur Ausübung zu empfehlen, eben so als hätte der Buddha es selbst gelehrt. Gutes tun tut immer gut – uns und allen.

Ich wünsche Ihnen allen deswegen frohe Weihnachten, viel Mut zur Überwindung sämtlicher Hindernisse auf dem Weg zu Ihrem ganz persönlichen Glück und Heil im neuen Jahr. Mögen die guten Kräfte dieser Welt Sie behüten und mögen Sie über die Strukturen des Bösen in und um sich durch die Perspektiven der Befreiung lichtvoll triumphieren!

Ihr Bhikkhu Thitadhammo

Dezember 25, 2018

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